Wann ist der Blutdruck zu hoch und warum?

Was ist Blutdruck

Das Herz pumpt Blut durch den Körper. So weit – so klar. Wie ist das ? Es füllt sich durch den Einlass (Vena Cava, Lungenvene) mit Blut, schließt seine Klappen, dann zieht sich das Herz zusammen und drückt das Blut durch den anderen Auslass (Aorta, Pulmonalarterie) zurück. Die Füllphase ist die Diastole, die Phase, in der sich das Herz zusammenzieht, ist die Systole. Das Herz-Kreislauf-System versorgt alle Organe mit Blut und versorgt sie mit Nährstoffen und Sauerstoff.

Blutdruck ist der Druck in den Blutgefäßen. Diese wird in mmHg gemessen – Millimeter Quecksilbersäule. Wenn der Blutdruck 140/90 mmHg beträgt. Bedeutet dies, dass der Druck in den Gefäßen 140 mm Hg (oder 0,1862 bar) in der Systole und 90 mm Hg (oder 0,1197 bar) in der Diastole beträgt. Zum Vergleich: Der Druck eines Autoreifens beträgt 3,0 bar.

Heute ein wichtiger Wert in der medizinischen Diagnostik

Der Blutdruck ist heute einer der wichtigsten Werte in der medizinischen Diagnostik. Denn hoher Blutdruck erhöht das Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko um ein Vielfaches. Deshalb ist die Blutdrucksenkung eine unbestrittene Therapie in der Medizin.

Bluthochdruck als wichtige Funktion des Körpers

Die erste Blutdruckmessung wurde 1896 von einem italienischen Arzt mit seinem neu entwickelten Gerät – dem Blutdruckmessgerät – durchgeführt. Heute verwenden wir dieselbe Technik wie damals Riva Rocci.

Die Methode fand schnell ihren Platz in der medizinischen Praxis. Ärzte stellten damals fest, dass die erfassten Werte stark schwankten. Insbesondere ältere Menschen oder Patienten mit Niereninsuffizienz hatten hohe Blutdruckwerte. Die Ärzte kamen zu dem Schluss, dass der höhere Blutdruck den Körper daran hinderte, die Organe zu schwach zu machen.

Daher hielten Graveure Bluthochdruck für wichtig, um den Körper gesund zu erhalten – daher der Name essentielle Hypertonie. Bis heute wird Bluthochdruck ohne erkennbare Ursache als essentielle Hypertonie bezeichnet. Ärzte hätten nie daran gedacht, den Blutdruck zu hoch senken!

Ist Bluthochdruck nicht so gut?

Nach vierzig Jahren Blutdruckmessung ist einigen besonders analytischen Medizinern aufgefallen: Patienten mit Bluthochdruckwerten sterben häufiger. Bluthochdruck klang doch nicht so gesund. Dies war der Beginn der ersten Studien, die den Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Tod belegen. Um die Ursache der Erkrankung zu ermitteln, mussten zusätzliche Nachweise erbracht werden. Das Senken des Blutdrucks kann nämlich den Tod verhindern.

Die ersten, die den Blutdruck senkten, waren Chirurgen – mittels Sympathektomie. Bei einer Operation wird der Sympathikus durchtrennt. Diese heute brutal anmutende Methode setzt sich aufgrund der hohen Nebenwirkungen nicht durch.

Die ersten Studien mit pharmazeutischen Wirkstoffen waren sehr vielversprechend und legten den Grundstein für die aktuelle Praxis.

Stetig sinkende Blutdruckziele

Mit all diesem Wissen galt es, einen allgemeingültigen Wert zu definieren, an dem sich Angehörige der Gesundheitsberufe im Alltag orientieren können. Die Ermittlung dieses Zielwertes ist kein leichtes Unterfangen und wird daher in der Wissenschaft umstritten. Dennoch gab und gibt es Empfehlungen.

Die ersten Zielwerte waren systolisch 140 plus Alter. Bei älteren Patienten könnte der Normalwert also ein systolischer Blutdruckwert von 200 sein. Später einigten sie sich auf 160 und landeten bei 140 mmHg, was heute gültig ist.

Bisher gab es jedoch immer wieder Diskussionen über einen „normalen“ Blutdruck. Einige Leitlinien wollen für ältere Patienten einen Wert von 150 zulassen, andere empfehlen 120 als Obergrenze. Was ist gerecht?

Sehr gesunde indigene Völker mit niedrigen Blutdruckwerten

Es wäre wohl sinnvoll, bei Menschen zu bleiben, die möglichst ursprünglich leben – also als Jäger und Sammler. Bei den Tsimane-Indios des bolivianischen Amazonas haben selbst die ältesten Mitglieder des Stammes noch einen Blutdruck von 100/70 mmHg und sind in bester Verfassung. Im Gegensatz zu uns reisen Tsimans durchschnittlich 8 Stunden am Tag, um für ihre Nahrung zu sorgen.

Also zum Teufel deinen Blutdruck senken?

Wir wissen jetzt also, dass Bluthochdruck ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen birgt und dass per

fast natürliche Menschen haben einen sehr niedrigen Blutdruck. Die Lösung ist daher recht einfach. Wir haben gerade den Blutdruck auf 120/80 mmHg gesenkt und alles ist in Ordnung.

Doch so einfach ist das nicht, denn ein zu niedriger Blutdruck kann andere Krankheiten oder Symptome verursachen, wie eine Unterfunktion der Niere bei bestehender Nierenerkrankung oder Schwindel oder sogar Ohnmacht.

Die Zukunft liegt in der personalisierten Medizin

Derzeit halten sich die meisten Ärzte hierzulande an die Empfehlung, dass Patienten einen Blutdruck unter 140/90 mmHg haben sollten. Die Zukunft liegt wahrscheinlich in der personalisierten Medizin. Denn nicht alle Menschen mit Bluthochdruck sind gleich. Erwägen Sie bei jüngeren Patienten, den Blutdruck aggressiv zu senken. Denn bei Ihnen ist das Risiko einer Ohnmacht, die zu Stürzen und Knochenbrüchen führt, gering.

Bei älteren Patienten, deren Organe bereits geschädigt sind oder von denen ein Ausfall droht, sollte der Arzt die Vor- und Nachteile einer Blutdrucksenkung abwägen. Hier kann ein etwas höherer Blutdruck sinnvoll sein.

In jedem Fall ist es ratsam, einen Arzt zu haben, der sich ausführlich um sich und seine Lebensumstände kümmert und die Behandlung auf ihn abstimmt.

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